Epagneul Picard

Der Épagneul Picard ist eine sehr alte französische Jagdhundrasse, deren Wurzeln – wie bei seinen engen Verwandten, dem Épagneul Breton und dem Épagneul Français – bis ins Mittelalter zurückreichen; die damaligen Vogelhunde zählen zu seinen Vorfahren. Es gibt Vermutungen, dass die Rasse bereits vor dem 14. Jahrhundert existierte, auch wenn der genaue Ursprung unklar bleibt und sie wahrscheinlich aus Kreuzungen französischer und englischer Spaniels entstand.

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Geschichte

Namensgebend war ihre Herkunftsregion, die Picardie, in der es viele Sümpfe und Seen gab, sodass der Hund vor allem bei der Wasserjagd zum Einsatz kam – im Fokus standen dabei Schnepfen. Die Rasse genoss früh hohes Ansehen: Bereits 1512 bedankte sich der französische König Ludwig XII. schriftlich für den Erhalt von zwei Bleus de Picardie (der etwas kleineren Schwesterlinie des Picard). Ab 1600 durfte in Frankreich nur noch der Adel der Jagd nachgehen, sodass auch der Épagneul Picard fortan überwiegend vom Adel gehalten wurde. Auch das französische Königshaus schätzte die Rasse, wobei ihr eigentlicher Ursprung im bäuerlichen Umfeld des 16. Jahrhunderts liegt.

Im 19. Jahrhundert wäre die Rasse durch den zunehmenden Einfluss englischer Setter und Pointer beinahe ausgelöscht worden, doch engagierte Züchter bemühten sich um ihren Erhalt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sorgte insbesondere M. Rattel durch gezielte Selektionszucht dafür, dass sich der Picard mit vorzüglichen Qualitäten wieder vermehrte und als Stammvater der langhaarigen französischen Vorstehhunde erhalten blieb.

1908 wurde der Épagneul Picard schließlich als eigenständige Rasse anerkannt und die Reinzucht offiziell begonnen durch die Société Centrale Canine (SCC), mit anschließender Registrierung bei der FCI. Während und nach den beiden Weltkriegen kam es erneut zu einem Populationsrückgang, da viele Zuchttiere verloren gingen, weshalb die Rasse bis heute vergleichsweise selten ist. Sie ist heute hauptsächlich in Frankreich und Belgien anzutreffen. Den Zuchtschwerpunkt bildet nach wie vor die Picardie, vor allem das Département Somme.

Wesen der Rasse

Der Épagneul Picard strahlt eine ruhige, freundliche Erhabenheit aus. Er verfügt über ein sehr ausgeglichenes Wesen, dem Nervosität fremd ist – zugleich ist er jedoch ein passionierter Jäger, dessen Leidenschaft man nicht unterschätzen sollte. Der Aufgabe als Vorstehhund wird die Rasse durch ihr geduldiges, besonnenes Wesen gerecht.

Gleichzeitig bleibt er ein Vollblut-Jagdhund: Er ist zielstrebig und ehrgeizig und sollte seiner Leidenschaft und seinem Arbeitswillen stets nachkommen dürfen – eine Haltung ausschließlich als Familienhund, ohne ausreichende Auslastung, kommt für ihn nicht infrage. Bei der Jagd ist er ein ausdauernder Arbeiter mit ausgezeichneter Nase, apportiert gerne und deckt ideal die Anforderungen eines sogenannten Vollgebrauchshundes ab. Rassetypisch sind zudem die Zuverlässigkeit bei der Nachsuche, eine ausgeprägte Wasserpassion sowie die ruhige, kurze Suche.

Ein besonderes Merkmal ist seine enge Bindung an den Menschen: Seine Anhänglichkeit unterscheidet den Épagneul Picard von anderen Jagdhundrassen – er liebt die Nähe seiner Bezugsperson und benötigt sie, um seine vielen positiven Eigenschaften zu zeigen, wobei diese außerordentlich enge Bindung an seinen Hundeführer als einzigartig für die Rasse gilt. Hat er sich draußen austoben und arbeiten können, ist er zu Hause ein ruhiger, verschmuster Vierbeiner, der eine enge Bindung zu seinen Lieblingsmenschen aufbaut und auch mit Kindern gut zurechtkommt.